kreislaufwirtschaft:bauen
"Die österreichische Bauwirtschaft ist noch weit davon entfernt, flächendeckend zirkulär zu bauen. Gemeinsam mit der TU Wien wollen wir eine belastbare Grundlage schaffen, um notwendige Standards weiterzuentwickeln, regulatorische Rahmenbedingungen anzupassen und den Wandel hin zu einer echten Kreislaufwirtschaft im Bauwesen zu beschleunigen."
Stefan Kratochwill
CEO STRABAG SE
Dazu kommt der hohe Anteil der Bauwirtschaft am österreichischen Gesamtverbrauch verschiedener Materialien:
Kreislaufwirtschaft in der Praxis
Kreislaufwirtschaft ist ein Konzept für ressourcenschonendes Wirtschaften und Produzieren. Dabei werden Materialien wieder- und weiterverwendet, so dass im Optimalfall ein Kreislauf entsteht. Sie besteht aus 10 Säulen:
- Re-Use: Wiederverwendung von Produkten
- Recycle: Materialien alter Produkte aufbereiten, um sie für neue Produkte zu nutzen Unterscheidung je nach Qualitätserhalt: Up-/Downcycling
- Repair: Verlängerung der Lebensdauer von Produkten durch Wartung und Reparatur
- Refurbish: Alte Produkte werden auf den neuesten Stand gebracht
- Reduce: Reduktion des Materialverbrauchs
- Rethink: Produkte werden neu gestaltet, z. B. für längere Lebensdauer
- Remanufacture: Komponenten alter Produkte werden weiterverwendet
- Repurpose: Komponenten alter Produkte erhalten eine neue Funktion
- Refuse: Produkte werden überflüssig, ihre Funktion wird anderweitig erfüllt
- Recover: Verwertung zur Energierückgewinnung (Verbrennen für Wärme etc.)
In der Bauwirtschaft geht es dabei um Konzepte wie Urban Mining, den Einsatz nachhaltiger und recycelter Baustoffe (nachwachsende Rohstoffe, Recycling-Beton, Asphaltrecycling etc.) sowie eine optimierte Planung und verbessertes Design. Der Fokus der Studie liegt auf den Ansätzen Recycling und Re-Use.
Handlungsbedarf
Klima, Strafzahlungen und Deponiekapazität
Verfehlen wir die Klimaziele, gefährden wir nicht nur langfristig unsere natürlichen Lebensgrundlagen, sondern riskieren auch hohe Strafzahlungen. Ein Bericht von Kommunalkredit Public Consulting von 2025, den das Bundesfinanzministerium in Auftrag gegeben hatte, rechnet mit Emissions-Ausgleichszahlungen von bis zu 5,9 Milliarden Euro 4 bei Verfehlen der Klimaziele bis zum nächsten Meilenstein-Jahr 2030.
Mit anderen Worten: die notwendigen öffentlichen Investitionen, um Kreislaufwirtschaft im Bauwesen auszubauen (Förderungen, Kostenstützen zur Abfederung allfälliger Mehrkosten im Vergleich zu konventionellen Materialen etc.), stehen höheren Strafzahlungen bei Verfehlen der Klimaziele entgegen. Das Ausmaß dieses Ausgleicheffekts – Investitionen verringern Strafzahlungen – wäre ein geeigneter Forschungsgegenstand für Folgestudien.
Dazu kommt eine weitere Herausforderung, die Kreislaufwirtschaft im Bau lösen kann: der steigende Druck auf Deponiekapazitäten in ganz Österreich.
Immer mehr Baurestmassen – immer weniger Deponien
Eine Analyse der Baustoffströme zeigt: In Österreich wird viel gebaut und wenig abgerissen. Konkret werden heute im Schnitt achtmal mehr Baustoffe eingesetzt als entsorgt. Damit wächst das „Bauwerk Österreich“ immer weiter.
Wirtschaftlich gesehen ist das eine gute Nachricht, denn die Bauaktivität sichert Arbeitsplätze. Allerdings müssen alle diese Baustoffe irgendwann – in 30, 50, 70 Jahren – entsorgt werden. Konkret sind es pro Person in Österreich 400-500 Tonnen an Baustoffen, etwas mehr als ein Airbus A380. Das ist der „Rucksack“, den jede und jeder von uns trägt. Er wächst jährlich um ca. 8,4 Tonnen pro Jahr an (77 Millionen Tonnen insgesamt).
Angesicht dieser steigenden Baumasse sind immer mehr Deponien notwendig. Das zeigt sich vor allem bei Bodenaushubdeponien, deren Anzahl sich in den letzten 20 Jahren auf 949 (Stand 2024) verdoppelt hat. Doch die Deponiekapazitäten in Österreich sind begrenzt. Besonders topografisch eingeschränkte und stark verbaute Regionen kommen unter Druck. Dazu kommen neue gesetzliche Deponieverbote: Für zahlreiche verwertbare mineralische Baurestmassen gilt seit 1. Jänner 2024 ein Deponierungsverbot; für Gipsplatten gilt es seit 1. Jänner 2026. Das erhöht die Notwendigkeit, Deponien – und damit nicht verwertete Baurestmassen – zu reduzieren.
Dazu kommt: Gegen Deponien nahe Wohngegenden wehren sich meist die Anrainer:innen.
Angesichts der steigenden Baurestmassen und der begrenzten Deponiekapazitäten muss die Abfallmenge reduziert werden, ohne dabei notwendige und wirtschaftlich produktive Bauaktivität zu beschneiden. Die Kreislaufwirtschaft, allen voran Recycling von Baustoffen, kann dabei die entscheidende Rolle spielen.
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Executive Summary kreislaufwirtschaft:bauen
Potenzialstudie kreislaufwirtschaft:bauen