Bestehendes bewahren, Zukunft schaffen

Luftaufnahme der Seidelschen Höfe mit Wohnquartier im Bestand © Henning Kreft
© Henning Kreft

Ehemalige Fabriksgebäude werden in Wohnungen verwandelt

Auf dem Gelände einer über hundert Jahre alten Papierfabrik entsteht im südhessischen Pfungstadt ein Wohnquartier, das zeigt, was modernes Bauen im Bestand wirklich leisten kann: Ressourcen schonen, historisches Erbe bewahren und gleichzeitig nachhaltigen Wohnraum schaffen. Mit den Seidelschen Höfen realisiert das STRABAG-Tochterunternehmen ZÜBLIN ein Projekt, das all diese Ziele vereint. So stellen wir unter Beweis, wie viel Potenzial in behutsamer, fachgerechter Arbeit im Bestand steckt. 

Typ:
Wohnbau
Auftraggeberin:
BPT Invest GmbH
Geplante Fertigstellung:
September 2026 
Generalübernehmerin:
Ed. ZÜBLIN AG
Wohnungen:
65
Wohnfläche:
über 5.500 m²
  • Treibstoffe sind bei uns im Unternehmen der größte CO2-Verursacher. Ein großer Teil des Verbrauchs entfällt auf Baumaschinen. Neue, emissionsarme Kraftstofflösungen sind deshalb ein zentraler Hebel, Emissionen wirksam zu senken. Wir werden die Erkenntnisse aus dem Pilotprojekt auch für andere Anwendungsfälle nutzen und unsere Vorreiterrolle in diesem Bereich unterstreichen.

    Dr. Marco Xaver Bornschlegl
    Zentralbereichsleiter STRABAG Innovation & Digitalisation

Die Fabrikgebäude der Gebrüder Seidel, errichtet zwischen 1907 und 1920, prägen seit mehr als einem Jahrhundert das Bild des Pfungstädter Quartiers. Als das Areal zur Entwicklung freigegeben wurde, stand eine grundlegende Frage im Raum: abreißen und neu bauen oder erhalten und weiterentwickeln? Die Antwort fiel bewusst zugunsten des Bestands aus.

Bestandsgebäude und Neubauten entstehen in den Seidelschen Höfen © Henning Kreft
Im Rahmen des Projekts wurden auch die Dächer vollständig erneuert.

Bestand gewinnt an Bedeutung

Der Grund für die weitere Nutzung der vorhandenen Substanz liegt in einer einfachen ökologischen und ökonomischen Logik. Jedes Gebäude, das nicht abgerissen wird, spart erhebliche Mengen an Energie und Material und reduziert CO₂-Emissionen deutlich. Was Fachleute als „graue Energie“ bezeichnen, also jene Energie, die bei der Herstellung, dem Transport und der Verarbeitung von Baustoffen bereits verbraucht wurde, steckt in jedem Mauerstein, jedem Träger, jeder Decke der alten Fabrik. Diesen Wert einfach wegzuwerfen wäre aus ökologischer Sicht schlicht nicht zu rechtfertigen. Gleichzeitig wird Flächenversiegelung vermieden, da vorhandene Strukturen weiter genutzt werden. 

Umbau der ehemaligen Papierfabrik zum Wohnquartier Seidelsche Höfe © Henning Kreft
Die beengten Bedingungen einer Baustelle im Bestand erfordern eine ausgeklügelte Baulogistik.

Das Ergebnis in Pfungstadt sind rund 65 Wohneinheiten, die auf dem Areal entstehen. Sie sind eine Kombination aus denkmalgerecht sanierten Loftwohnungen in den Bestandsgebäuden und effizienten Neubauten auf freigewordenen Flächen. Es handelt sich um ein Quartier, das Vergangenheit und Zukunft auf selbstverständliche Weise verbindet. Neben ökologischen Aspekten spielt die gesellschaftliche Dimension eine zentrale Rolle. Die Seidelschen Höfe leisten einen Beitrag zur Schaffung von Wohnraum in einer Region mit hoher Nachfrage. Die Mischung aus unterschiedlichen Wohnformen, von kompakten Apartments bis hin zu großzügigen Townhouses, richtet sich gezielt an verschiedene Nutzergruppen. 

Historische Fabrikfassade der Seidelschen Höfe wird denkmalgerecht saniert © Henning Kreft
Ein Ziel der Arbeiten war es, die denkmalgeschützte Fassaden der Gebäude zu erhalten.

Bei STRABAG werden im Rahmen des Konzepts BESTAND BEYOND Bestandsgebäude systematisch analysiert, digital erfasst und anschließend gezielt ertüchtigt. Dabei kommen oft moderne Planungsmethoden wie Building Information Modeling (BIM) zum Einsatz, die eine präzise Planung und effiziente Umsetzung ermöglichen.  

Denkmalschutz trifft auf Qualitätsanspruch

Was auf den ersten Blick wie eine Einschränkung wirkt, entpuppt sich bei den Seidelschen Höfen als gestalterische Stärke. Die denkmalgeschützte Fassade der historischen Fabrikgebäude gibt dem Quartier seinen unverwechselbaren Charakter. Sichtbare Tragstrukturen, großzügige Raumhöhen, industriell geprägte Details – all das macht die Attraktivität der künftigen Loftwohnungen aus. Denkmalschutz und Wohnqualität schließen sich hier nicht aus, sondern bedingen einander. 

Luftaufnahme der Seidelschen Höfe während der Quartiersentwicklung