Strom auf Knopfdruck

Ein See als Energiespeicher
Gebirgslandschaft mit Infrastruktur für ein Pumpspeicherkraftwerk in Tirol © Kelag
© Kelag

Strom aus Wind-, Solar- und Wasserkraft ist essenziell für die Energiewende, verändert aber auch die Anforderungen an unsere Energienetze. Moderne Systeme dürfen nicht nur auf die Erzeugung von Strom setzen, denn es gibt auch windarme, bewölkte Tage. Deshalb rückt neben der Stromerzeugung zunehmend die Frage in den Fokus, wie Energie gespeichert und flexibel genutzt werden kann.

STRABAG erweitert im Auftrag des Energiedienstleisters Kelag den Wurtenspeicher in Österreich. Er ist ein zentraler Teil der beeindruckenden Kraftwerksgruppe Fragant im Mölltal in Kärnten. Durch unsere Bauarbeiten verdoppelt der Wurtenspeicher sein Speichervolumen beinahe von 2,7 auf 5 Millionen Kubikmeter Wasser.

Grüner Strom für die Region

Für die Energiewende braucht es leistungsfähige Speichermöglichkeiten, um Schwankungen im Stromnetz auszugleichen. Speicherseen bieten viel Potenzial als ‚natürliche‘ Batterie und machen regionale Stromversorgung so zuverlässiger und sicherer. Deshalb gelten sie als wichtiger Baustein einer resilienten Energieversorgung. Mit dem Ausbau des Wurtenspeichers und der Erhöhung seiner Kapazitäten tragen wir in Kärnten zu einer nachhaltigen Energieinfrastruktur bei. Durch die Erweiterung kann er größere Mengen Energie aus Wasserkraft speichern. Damit gleicht er Schwankungen in der Stromerzeugung aus, deckt Verbrauchsspitzen ab und macht erneuerbare Energie in der Region zuverlässiger verfügbar.

Österreich führt bei erneuerbarer Energie

Wasserkraft ist eine der wichtigsten erneuerbaren Stromquellen in Österreich. Laut Wiener Stadtwerken stammten 2025 etwa 82 Prozent der Bruttostromerzeugung aus erneuerbaren Energiequellen. Den größten Anteil daran hatte Wasserkraft mit 51 Prozent. Damit ist Österreich schon jetzt führend in Europa und kann an vielen Tagen einen Großteil des Bedarfs durch grünen Strom decken. Wasserkraft verbindet durch die Kombination aus Pumpspeicherkraftwerken und Speicherseen erneuerbare Stromerzeugung und Energiespeicherung in einem System.

Wie funktioniert Wasserkraft?

Es gibt unterschiedliche Arten von Wasserkraftwerken. Ein Laufkraftwerk erzeugt mit Hilfe von fließendem Wasser durchgehend Strom. Ein Speicherkraftwerk hingegen sammelt Wasser in einem See und kann dieses bei Bedarf zur Stromerzeugung ablassen. Ein Pumpspeicherkraftwerk funktioniert gleich in zwei Richtungen. Für die Stromerzeugung fließt das Wasser aus einem höher gelegenen Speichersee in die Turbinen des Kraftwerks und treibt sie an. Ist zu viel Strom im Netz, wird das Wasser in die Talsperre hochgepumpt. Je höher der Unterschied zwischen Oberbecken und Turbinen, desto mehr Strom kann generiert werden.

Bei der Kraftwerksgruppe Fragant der Kelag, die unter anderem aus mehreren Speicherkraftwerken besteht, funktioniert das System durch diverse Speicherseen auf verschiedenen Höhen zwischen 500 und 1.700 Metern wie eine Kaskade. Der Wurtenspeicher ist dabei ein hochgelegener See, der langfristig Wasser speichert und bei Bedarf über die Pumpturbinen Strom erzeugen und so in kurzer Zeit auf Bedürfnisse im Netz reagieren kann.

  • Leistungsfähige Speichersysteme sind ein Schlüssel für den Erfolg der Energiewende. Gemeinsam mit der Kelag und unserer Erfahrung im Hochgebirgs- und Wasserbau haben wir mit der Erweiterung des Wurtenspeicherdamms den Ausbau einer verlässlichen und nachhaltigen Energieversorgung in der Region vorangetrieben.

    Franz Redl
    Vorstandsmitglied STRABAG AG Österreich

Bauen im Bestand auf 1.700 Metern

Beim Wurtenspeicher sind die Bedingungen für die STRABAG Einheiten logistisch anspruchsvoll. Die großen Baugeräte mussten vor den Beginn der Erweiterung teils über eine enge Straße mit über zehn Prozent Steigung auf 1.700 Metern Höhe transportiert werden. Aber nicht nur die Anlieferung, auch die Bauarbeiten in den Bergen bei Wind und Wetter sind herausfordernd.

Insgesamt wurden 230.000 m³ Material aus dem Steinbruch im Bereich der Stauwurzel entnommen und für die Aufschüttung der Sperre Wurten genutzt. Durch die Erhöhung müssen zahlreiche bestehende Bauwerke dem neuen Pegel des Wurtenspeichers angepasst werden. STRABAG erneuert unter anderem den Zugang zur Schieberkammer vom Grundablass sowie das Hochwasserentlastungsbauwerk, das als Hochwasserschutz dient. 

Drohnenaufnahme einer Großbaustelle im Hochgebirge mit Video zur Errichtung eines Pumpspeicherkraftwerks

Zweimalige Totalentleerung

Der ZÜBLIN Spezialtiefbau hat für das Projekt 246 Bohrpfähle hergestellt, die bis zu 25 Meter tief in den Untergrund ragen. Sie sind essenziell für eine sichere Untergrundabdichtung des Damms. Ihre Herstellung erfordert von unseren Kolleg:innen echtes Fingerspitzengefühl: Sie mussten zentimetergenau arbeiten – bei schwierigen Bodenverhältnissen.

Übrigens:
Die Gesamtbohrstrecke der Bohrpfähle beträgt zusammengerechnet etwa 2,8 Kilometer. 

Für den Ausbau musste der Wurtenspeicher gleich zweimal vollständig entleert werden, im letzten Jahr und erneut Anfang dieses Jahres. Vor dem Wintereinbruch 2025 war eine Befüllung notwendig, um einen eingeschränkten Speicherbetrieb zu ermöglichen. 70 Kolleg:innen verschiedener STRABAG Einheiten arbeiteten mit voller Kraft, um die erste Etappe bis Ende 2025 rechtzeitig abzuschließen. Nach Abschluss der Hauptbauarbeiten im Jahr 2026 werden 2027 noch Restarbeiten sowie Rekultivierungsmaßnahmen durchgeführt.