Recycling und Downcylcing

Viel Recycling - zu viel Downcycling

Die Verwertungsrate bei Bau- und Abbruchabfällen (ohne Bodenaushub) in Österreich liegt bei 70-80 Prozent. Bei Beton und Asphalt liegt die Quote bei etwa 95 Prozent: Aus Betonabbruch wird Betongranulat hergestellt, das vor allem im Straßenbau als Tragschichtmaterial eingesetzt wird. Mauerwerk wird zu 68-70 Prozent verwertet.
 
Grundsätzlich sind das positive Werte – doch man muss genau hinsehen. Ein großer Teil davon ist kein echtes Re- sondern Downcycling, also die Verwertung in niedrigerer Qualität. Österreichs 1.157 erfasste Verwertungsanlagen und mobile Einheiten verarbeiteten 2024 rund 13 Mio. Tonnen an Bau- und Abbruchabfällen plus Bodenaushub. Nur 65 Prozent des Outputs dieser Anlagen hat die Qualitätsklasse U-A und ist damit uneingeschränkt einsetzbar.

Abbildung: Ausgangslage (jeweils die jüngsten belastbaren Zahlen)

Diese Quote zu erhöhen, wäre technisch für viele Baustoffe möglich, doch es ist mit Kosten verbunden. Mit gezielten öffentlichen Förderungen für Forschung und Umsetzung von hochwertigem Recycling könnten Politik und Bauwirtschaft gemeinsam die hochwertige Recyclingrate steigern, mehr Materialkreisläufe schließen und so signifikant zum Erreichen der Klimaziele beitragen. Das ist auch insofern erforderlich, da die Zusammensetzung von Baumaterialien immer komplexer wird und neue Verfahren zur Wiederverwertung gefunden werden müssen.

Aushub: Großes ungenutztes Potenzial

Abbildung: Ungenutztes Potenzialbei der Verwertung von Aushub

Während die Materialien, die beim Abriss von Gebäuden und Straßen entstehen, bereits zu einem großen Teil verwertet werden (in etwa drei Viertel des Abfallaufkommens, wenn auch aktuell noch bei zu hohem Qualitätsverlust), gibt es bei der Verwertung des Bodenaushubs – beispielsweise bei Straßenbauprojekten – noch massives Aufholpotenzial.

Zwischen 55 und 65 Prozent davon werden deponiert, also endgültig entsorgt. Dieser Aushub bildet damit den größten Anteil des Bauabfalls. Rein technisch wären bis zu 90 Prozent davon verwertbar. Doch die tatsächliche Verwertungsrate liegt heute bei 21 Prozent.

Neben Deponierung (55-65 Prozent) und Verwertung (21 Prozent) werden die restlichen 13 bis 23 Prozent statistisch weder Deponierung noch Verwertung zugerechnet. Darunter fallen etwa Lagerveränderungen (Aushub fällt in einem Jahr, wird aber erst im nächsten verwertet) oder Aushub, der im Laufe der Behandlung einer anderen Abfallbehandlung zugerechnet wird.

Diese geringe Verwertungsrate liegt einerseits an regulatorischen Bedingungen – Bodenaushub gilt zunächst als „Abfall“ trotz diverser Einsatzmöglichkeiten – aber auch an Faktoren wie Transportkosten bei Bauarbeiten in abgelegenen Regionen oder Aushub, der in geologisch heterogenen Böden anfällt und daher aktuell nur mit großem Aufwand aufbereitet werden könnte.

Und selbst diese geringe Verwertungsrate besteht zum überwiegenden Großteil aus Downcycling. So dominiert der Einsatz als Untergrundfüllung mit 80 Prozent deutlich. Die Rekultivierung stellt mit etwa 10-15 Prozent den zweitwichtigsten Verwertungsweg dar. Hochwertige Anwendungen, wie die Verwertung in Betonmisch- oder Ziegelwerken, machen hingegen nur einen sehr geringen Anteil von maximal etwa 8 Prozent aus.

Damit ist Aushub ein Schlüsselelement der Kreislaufwirtschaft. Dafür bräuchte es neben Förderungen des Recyclings – etwa für Erforschung und Umsetzung neuer Verwertungswege – auch regulatorische Anpassungen.