Re-Use im Bauwesen: Große Potenziale, bestehende Hürden
Re-Use, also die Wiederverwendung ganzer Bauteile (z. B. Türen, Fenster, Böden etc.) wird in Österreich noch nicht statistisch erfasst und nur punktuell umgesetzt. Die Studie zeigt anhand von Experteninterviews: Das Potenzial ist signifikant. In einem Beispielprojekt aus der Schweiz konnte durch Einsatz von Re-Use-Bauteilen 91 % der Treibhausgasemissionen der Stahlträger vermieden werden. Ganz allgemein liegt einer der größten Hebel für die Reduktion von CO2-Emissionen und Ressourcenverbrauch in der Wiederverwendung von tragenden Bauteilen.
Als Orientierung für künftige Projekte und politische Förderschwerpunkte identifiziert die Studie, welche Bauteilkategorien schon jetzt mit vergleichsweise geringem Aufwand wiederverwendet werden können, inklusive der so einsparbaren CO2-Emissionen.
Als größte Hürden identifizieren die Expert:innen vor allem nicht standardisierte Prüf- und Rezertifizierungsprozesse. Der aufwendige Qualitätsnachweis verbraucht viel Zeit und damit Baukosten. Dazu kommen oft komplizierte Beschaffungs- und Transportlogistik. Am Beispiel Stahlträger: Re-Use-Träger sind im Schnitt bis zu 20 Prozent günstiger als neue, doch der aktuelle Aufwand hebt diesen Preisvorteil wieder auf.
Um das massive Klimapotenzial von Re-Use im Bauwesen zu heben, braucht es neben einheitlichen Prüf- und Rezertifizierungsprozessen auch mehr lokale Lösungen für die gesamte Wertschöpfungskette: Rückbau, Registrierung, Beschaffung, Transport und Wiedereinbau von Bauteilen. Zahlreiche Einzelprojekte zeigen, dass dies möglich ist und hochrentabel sein kann.
Ein weiteres Problem ist ein fehlendes zentrales Register für Re-Use-Bauteile. Es gibt zwar vereinzelte Bauteilbörsen (z. B. Concular), doch ein zentrales Register – für Österreich oder noch besser Europa – würde die Registrierung und Beschaffung von Bauteilen erheblich vereinfachen. Ein solches System könnte in digitale Planungstools integriert werden, um die Beachtung von Zirkularität von Projektbeginn an zu vereinfachen.